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Geschäftsbericht 2007

Brief an die Kapitalanleger und Partner
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Marktbericht Private Equity

Von Ralph Günther, Vorstand der bmp AG

Globales Marktumfeld

Global betrachtet war 2007 ein weiteres wachstumsstarkes Jahr; nach Schätzung der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) konnte das globale Bruttosozialprodukt um 2,7% zulegen.2) Getrieben wurde das Wachstum vor allem von dem anhaltenden Boom in den Schwellenländern. Über dieses positive wirtschaftliche Umfeld warf allerdings die globale Kreditkrise ihren Schatten.

Die Subprime-Krise

Die Marktverwerfungen nahmen ihren Anfang in dem augenscheinlich wenig bedeutsamen „Subprime“-Markt in den USA. „Subprime“ definiert den Teil des US-Hypothekenmarktes, der ausschließlich die Vergabe von Immobilienfinanzierungen an natürliche Personen mit verminderter Bonität zur Eigenheimfinanzierung beinhaltet. In der Zeit des sehr niedrigen Zinsniveaus von 2001 bis Mitte 2004 hatten zahlreiche Kreditnehmer Hypothekenkredite aufgenommen. Nach Ablauf der nächsten Zinsbindungsfrist konnten viele Kreditnehmer ihre Eigenheimkredite nicht mehr bedienen, da die Zinsen von Mitte 2004 bis Ende 2007 stark gestiegen waren. Zu diesem Zeitpunkt standen allerdings die Not leidend gewordenen Forderungen nicht mehr nur in den Büchern der amerikanischen Hypothekenbanken, sondern wurden zu einem großen Teil zu Finanzderivaten geschnürt, die u.a. als ABS (Asset Backed Securities) kapitalmarktfähig wurden.3) Damit hatten auch europäische Banken, von denen man eher ein konservativeres Anlageverhalten erwartet hätte, zahlreiche Not leidende Kreditrisiken in ihren Bilanzen. Es folgten Milliardenabschreibungen bei Banken in Europa und Nordamerika. Auch zahlreiche deutsche Banken, insbesondere Landesbanken, hatten sich in solchen Wertpapieren engagiert und mussten erhebliche Wertberichtigungen durchführen. Spektakuläres Beispiel in Deutschland war die „Beinahe-Insolvenz“ der IKB Deutsche Industriebank AG.

Im Frühjahr 2008 schätzte die OECD die Verluste aufgrund der Subprime-Krise auf USD 350 – 420 Mrd. USD 4), was die Eigenkapitalbasis der Banken deutlich schmälerte. Folglich musste die künftige Kreditvergabepolitik erheblich restriktiver gestaltet werden. Diese Entwicklung wird auch unter dem Begriff „Credit Crunch“ zusammengefasst.

Auswirkungen des Credit Crunch auf die Private Equity-Branche

Obgleich sich die Aktienmärkte anfangs unbeeindruckt von dieser Krise zeigten, spürten fremdkapitalintensive Segmente der Private Equity-Branche den Credit Crunch anhand der erheblich restriktiveren Kreditvergabepolitik der Banken. Während das eigenkapitalintensive Venture Capital-Segment kaum durch die Kreditkrise beeinflusst wurde, haben sich Leverage-Buy-Out-Transaktionen (LBOs) durch die Neuregelung der Bankenkredite erheblich erschwert.5) Infolge dessen wurden zahlreiche LBOs vorerst gestoppt und neu verhandelt, da aufgrund der Knappheit und Verteuerung des Fremdkapitals andere Transaktionsstrukturen und -kriterien definiert werden mussten. Transaktionen, bei denen die Renditekriterien aufgrund der veränderten Finanzierungskonditionen nicht erfüllt worden wären, wurden abgesagt. Insgesamt hat sich das Kaufpreisniveau für Private Equity-Engagements seit dem Spätsommer 2007 deutlich vermindert.6) Hiervon profitieren vor allem solche Private Equity-Zielfonds, die sich noch in der Investitionsphase befinden.

Da die Banken seit Ende letzten Jahres nicht mehr imstande und gewillt sind, aggressiv gehebelte Transaktionen zu finanzieren, hat dies auf den ersten Blick eine negative Wirkung auf die Rendite von LBO-Investitionen, da der Leverage-Effekt nur noch in abgeschwächter Form zum Tragen kommt.7) Auf der anderen Seite ergeben sich auch Vorteile dieser Entwicklung, da Finanzierungskonzepte sicherheitsorientierter geworden und die Preise für Private Equity-Transaktionen gefallen sind. Somit profitieren vor allem die soliden „Honigbienen“ unter den „Heuschrecken“ von der aktuellen Situation: Solide Finanzierungskonzepte zahlen sich aus. Einige Anbieter haben sich in der Vergangenheit mitunter fast nur noch über die Höhe ihrer Kaufpreisangebote und entsprechende Kredithebelung positioniert. Nun werden die Anbieter von solchen Investoren verdrängt, die auf der Basis eines soliden Eigenkapitaleinsatzes ihre Rendite durch nachhaltige Steigerung der operativen Unternehmensleistung erzielen.8) Somit kann dem Credit Crunch auch eine bereinigende Wirkung zugeschrieben werden.

Konstante Anzahl von Private Equity-Transaktionen, allerdings zu verminderten Preisen

Insgesamt lässt sich feststellen, dass insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2007 das Private Equity-Transaktionsvolumen aufgrund der restriktiveren Kreditvergabepolitik seitens der Banken deutlich sank, d.h., die Transaktionen wurden entweder gar nicht oder zu niedrigeren Preisen realisiert. Trotz dieser Entwicklung wird erwartet, dass Private Equity-Investitionen mittelbis langfristig wieder deutliche Steigerungsraten erfahren werden. Der Hauptgrund hierfür liegt darin, dass sich diese Anlageklasse als ein außerordentlich effektives Eigentümermodell erwiesen hat, das über den Konjunkturzyklus hinweg hohe Nettoerlöse aus Sicht der Investoren erwirtschaftet hat.9) Die einmalig leichte Verfügbarkeit von Fremdkapital in den Jahren 2006 bis Mitte des Jahres 2007 und die daraus resultierenden Verwerfungen ändern an dieser positiven Grundtendenz nichts. Eine Marktanpassung war daher von vielen Branchenkennern erwartet worden. Die erfolgte Korrektur erscheint unausweichlich gewesen zu sein. Die abgeschlossenen Transaktionen seit Mitte 2007 sind unter neuen Vorzeichen entstanden und bergen somit ein verändertes Risikoprofil.

Mittelfristig wird sich die Verfügbarkeit von Fremdkapital auf den Kapitalmärkten an ein normales Niveau annähern.10) Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der Private Equity-Markt global gesehen immer noch große Potenziale aufweist. Wenn man den globalen Anlagemarkt betrachtet, beträgt der Anteil von Private Equity gerade einmal ca. 3%. Aus diesem Grund besteht für das Private Equity-Segment weiterhin ein großes Wachstumspotenzial.

Kapitaleinwerbung nach wie vor auf sehr hohem Niveau

Diese Prozesse spiegeln sich auch bei der Private Equity-Kapitaleinwerbung wider. Im ersten und zweiten Quartal 2007 wuchs die Höhe des Fundraisings (Kapitaleinwerbung) mit hoher Geschwindigkeit. Im zweiten Quartal 2007 wurde mit einer Summe von insgesamt USD 190 Mrd. der historisch höchste Quartalswert bei den Fund Commitments (Kapitalzusagen) festgestellt. Die Kreditkrise hat dazu geführt, dass es im dritten Quartal 2007 zu einem deutlichen Einbruch bei den Kapitaleinwerbungen kam. Im vierten Quartal 2007 kehrte der Markt auf ein normales Niveau zurück. Insgesamt übertraf das Jahr 2007 mit einer Kapitaleinwerbung von USD 518 Mrd. dennoch knapp das Rekordjahr 2006, in dem insgesamt USD 516 Mrd. eingeworben wurden.12) Voraussichtlich wird im Jahr 2008 die Eigenkapitaleinwerbung ebenfalls wieder die USD-500-Mrd.-Marke übertreffen.

Marktbetrachtung: USA größter Markt gefolgt von Europa, Asien kommt

Auch im Jahr 2007 dominierten die USA den globalen Markt für Kapitaleinwerbungen. Insgesamt wurden im Jahr 2007 370 Private Equity-Fonds mit einem regionalen Fokus auf die USA aufgelegt, die ein Gesamtvolumen von ca. USD 291 Mrd. hatten.14) Damit bleiben die USA mit Abstand größter Fundraising-Markt, gefolgt von Europa mit 247 aufgelegten Fonds und einem Volumen von USD 152 Mrd. und dem asiatischen Raum mit 162 aufgelegten Fonds mit einem Volumen von USD 74 Mrd.

USA mit größtem Fundraising-Markt


Quantitativ wurden weltweit die meisten Fonds im Bereich des Venture Capitals aufgelegt. So sammelten im Jahr 2007 ca. 220 Fonds ein Gesamtvolumen von ca. USD 55 Mrd. ein. Nach Volumen führte weiterhin der Buy-Out-Sektor die Anlageklasse an, dem insgesamt USD 210 Mrd. zugesagt wurden. Auch in der Größe der einzelnen Fonds nahmen die USA die Spitzenposition ein. Der größte in den USA geschlossene Fonds hatte ein Investitionsvolumen von rund USD 20 Mrd.,der zweitgrößte folgte mit einem Volumen von USD 12 Mrd. Beide Fonds agieren im Buy-Out-Segment. In Europa kamen die beiden größten Fonds auf ein Volumen von über fünf Milliarden EUR. Auch diese beiden Fonds bedienen das Buy Out-Segment. In Asien, speziell China, ist ebenfalls ein Trend zu größeren Fonds zu beobachten. Während in 2006 der größte Fonds ein Volumen von USD 1 Mrd. besaß, konnte in 2007 ein Fonds mit einem Volumen von USD 4 Mrd. geschlossen werden. Zusammen mit den starken Zuwächsen der Kapitaleinwerbung im asiatischen Markt zeigt dies, dass diese Region aufgrund ihrer starken wirtschaftlichen Entwicklung immer stärker in den Fokus der Private Equity-Initiatoren gelangt

Europa im Fokus

Das Jahr 2007 war ein überdurchschnittlich positives Jahr für Private Equity-Fonds mit dem Fokus Europa. In 2007 schlossen insgesamt 247 Fonds mit einem Gesamtvolumen von USD 152 Mrd. Der Schwerpunkt lag hier ebenfalls, wie in den USA, auf dem Buy Out-Segment. Insgesamt wurden in Europa USD 83,5 Mrd. eingeworben, wovon EUR 60 Mrd. der Mittel in Buy Out-Fonds und EUR 10,4 Mrd. in Venture Capital und Wachstumskapital flossen.17) In den Bereichen Fund of Funds und Real Estate konnten deutliche Steigerungsraten in der Kapitaleinwerbung beobachtet werden, was mit auf die Entdeckung als neue Anlageklasse für Retail-Investoren zurückgeführt werden kann.

Ebenfalls konnte in Europa der Trend zu Mega Buy Out-Fonds beobachtet werden: Terra Firma Capital Partners III schloss mit einem Volumen von ca. EUR 5,4 Mrd., Carlyle Europe Partners III konnte einen neuen Fonds mit einem Volumen von ca. EUR 5,3 Mrd. platzieren.

Volumen und Anzahl aller Private Equity-Transaktionen in Europa


Auf Transaktionsseite fanden 2007 in Europa rund 12.050 Private Equity induzierte Unternehmenstransaktionen statt. Das Gesamtvolumen betrug EUR 1.296 Mrd. Damit verdoppelte sich das gesamte Transaktionsvolumen seit 2004. Die Anzahl der Unternehmenstransaktionen stieg von 9.209 in 2004 auf 12.050 in 2007. Bemerkenswert ist hier die Entwicklung in Osteuropa. Hier verfünffachte sich das Transaktionsvolumen seit 2004. Die Anzahl von Unternehmenstransaktionen erhöhte sich von 1.260 auf 2.204.

In der Finanzbranche konnten in 2007 insgesamt 812 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von EUR 283 Mrd. verzeichnet werden. Andere Sektoren, die die Schwelle von EUR 100 Mrd. überschritten, waren der Real Estate-Sektor mit einem Volumen von EUR 152 Mrd. und einer Transaktionsanzahl von 1.222 sowie der Energie-Sektor mit einem Volumen von EUR 132 Mrd. und einer Transaktionsanzahl von 378.

Der Markt in Deutschland

Trotz der turbulenten globalen Entwicklung konnte die Private Equity-Branche in Deutschland ein Rekordjahr verzeichnen. Das Volumen der Investitionen wuchs 2007 um 13% auf EUR 4,1 Mrd. Die Anzahl der finanzierten Unternehmen stieg um 11% auf 1.078. Gemessen am Volumen beanspruchte der Buy Out-Sektor mit nahezu 80% den Löwenanteil der Investitionen, wobei dies mit lediglich 100 Transaktionen erreicht wurde. Im Venture Capital-Segment traten mittlerweile Private Equity-Investoren bei 978 Unternehmen als Finanzierungspartner in Erscheinung. Betrachtet man also die absolute Anzahl und die Größenstruktur der finanzierten Unternehmen, so nimmt die Frühphasenfinanzierung eine gewichtige Rolle ein. Somit leistet die Private Equity-Branche einen erheblichen Anteil daran, die Innovationsgeschwindigkeit unserer Volkswirtschaft zu erhöhen.

Die große Mehrheit der Kapitalgeber waren institutionelle Investoren. Der Anteil an Investitionen durch Privatanleger belief sich lediglich auf 8%. Weiterhin trugen öffentliche Investoren 11,8% zu den Investitionen bei. Die wichtigste Gruppe der institutionellen Investoren waren Dachfonds, Versicherungen, Kreditinstitute und Pensionsfonds, die insgesamt 56,6% des Investitionsvolumens beitrugen.

Größenstruktur der finanzierten Unternehmen in Deutschland


Einwerbung nach Kapitalgebern


Strategische Alokation der Investments


Fazit

Die Private Equity-Branche hat ein Jahr hinter sich, in dem die Krisenfestigkeit der Finanzierungsmodelle getestet wurde. Insbesondere dort, wo mit sehr hohen Fremdkapitalhebeln gearbeitet wurde, wirkte sich die Kreditkrise aus. Liquidität für allzu waghalsige Übernahmen mit geringem Eigenkapital ist nicht mehr vorhanden. Die positiven Effekte sind verbesserte Einstiegspreise bei Private Equity-Transaktionen sowie krisenfeste Finanzierungsstrukturen. Zukünftig wird der Erfolg der Beteiligung weniger durch die aggressiv gehebelte Finanzierung bedingt sein, sondern durch die Verbesserung des operativen nachhaltigen Managements einer Beteiligung. Die Anlageklasse Private Equity gewinnt somit an Solidität.21) Zum Ende des zweiten Halbjahres 2007 ist sowohl die Zahl als auch die Höhe der Kapitalabrufe der Zielfonds wieder stark angestiegen. Dies bestärkt die Einschätzung, dass sich nach den Marktturbulenzen nun zahlreiche neue attraktive Investitionschancen bieten.

Die ökonomische Kräfteverschiebung in Richtung Asien und Osteuropa wird auch von Private Equity-Entscheidern nachvollzogen. Die steigende Anzahl und Volumen der dort abgeschlossenen Transaktionen spiegelt die Dynamik der Region wider.

Ralph Günther
Jahrgang 1966, ist seit 1999 Vorstandsmitglied der bmp Aktiengesellschaft,
Berlin. Vor seiner Tätigkeit bei bmp gründete der Diplom-Kaufmann eine
Unternehmensberatung und ein IT-Unternehmen, bei beiden Gesellschaften
war er auch als Geschäftsführer tätig.
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