Aktuelle Entwicklungen im Containerverkehrs-
und Chartermarkt (November 2008)
Einleitung
An dieser Stelle kommentiert das Institut für
Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) regelmäßig für
König & Cie.
aktuelle Trends auf den Containerverkehrs- und
Chartermärkten und bezieht dabei relevante Informationen aus
den Bereichen Wirtschaft und internationaler Handel,
Containerverkehr, Flotte, Schiffbau und Ordertätigkeit ein.
Als Quellen für die verwendeten Zahlen dienen verschiedene
Charterindizes (Howe Robinson, Clarkson und Vereinigung
Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten e.V.),
internationale Organisationen (OECD, IWF), Flottendaten von
Lloyd´s (LR/Fairplay) sowie ISL-eigene Datenbanken.
OECD rechnen mit kurzfristiger Abschwächung des Wirtschaftswachstums
Inzwischen sind die Wirtschaftsnachrichten global geprägt von der Finanzkrise und den erwarteten bzw. bereits sichtbaren realwirtschaftlichen Auswirkungen. Gegen Jahresende veröffentlicht die OECD regelmäßig ihren aktuellen Economic Outlook, der auch in diesem Jahr bereits Ende November in einer vorläufigen Fassung vorgestellt wurde. Hier wird ein Entwicklungsverlauf skizziert, der weitestgehend den im vergangenen Monat beschriebenen Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds entspricht. So erwartet die OECD für die zugehörigen Volkswirtschaften im Jahr 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 %, bevor im Jahr 2010 wieder ein Anstieg um 1,5 % erwartet wird, der leicht über dem des Jahres 2008 (1,4 %) liegt. Für die USA und den Euro-Raum wird dabei bis einschließlich des zweiten Quartals 2009 von einer Rezession ausgegangen. Für die Volkswirtschaft Japans wird im ersten Halbjahr 2009 ein geringes Wachstum als Reaktion auf Konjunkturprogramme erwartet, im Jahresdurchschnitt jedoch ein Rückgang der Produktion um 0,1 %.
Die Entwicklung des Welthandels dürfte der OECD zufolge im vierten Quartal 2008 mit einem Zuwachs von lediglich rund 1 % ihren Tiefpunkt erreicht haben. Erwartet wird eine leichte Beschleunigung auf 2,5 % im dritten Quartal 2009 gefolgt von deutlich lebhafteren Zuwächsen in den Folgequartalen. Insgesamt erwartet die OECD für die Jahre 2009 und 2010 einen Anstieg des Welthandelsvolumens um 1,9 bzw. 5,0 %. Dabei wird für die zweite Hälfte des Jahres 2010 von Zuwächsen um 7 % ausgegangen. Damit dürfte die Wirtschaftskrise nach OECD-Einschätzung im Jahr 2010 im Wesentlichen überstanden sein und Weltwirtschaft und -handel auf ihren langfristigen Wachstumspfad zurückkehren.
Wie der IWF geht auch die OECD im November 2008 davon aus, dass die sinkenden Rohstoffpreise zu einem Anstieg der verfügbaren Einkommen führen und erwarten - daraus resultierend - positive Impulse für den privaten Konsum, auf den sich die langsame Erholung der Weltwirtschaft stütz. Im Rahmen der erwarteten Belebung der wirtschaftlichen Aktivität der Jahre ab 2010 werden die aufstrebenden Volkswirtschaften ihre Rolle als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft beibehalten, allerdings dürfte sich deren Entwicklung in Relation zu den hohen Zuwächsen vergangener Jahre etwas verlangsamen.
Ordertätigkeit im November auf Null, Verschrottung nimmt zu
Angesichts der in allen Bereichen einbrechenden Raten und merklich langsamer wachsender Nachfrage haben sich die Reeder in den vergangenen Monaten mit der Bestellung neuer Tonnage deutlich zurückgehalten. Im Containersegment wurden nach nur 4 Schiffen im Oktober im November keinerlei Neubaukontrakte gemeldet. Dagegen nehmen die Verkäufe zur Abwrackung nun erwartungsgemäß zu und es erscheint durchaus realistisch, dass das am Jahresanfang vom ISL mit gut 80.000 TEU bezifferte Potenzial für dieses Jahr erreicht wird. Gleichzeitig mehren sich Meldungen über Stornierungen bestehender Bauaufträge, wobei es gerade hier abzuwarten bleibt, wie viel davon tatsächlich aus den Büchern verschwindet.
Chartermärkte - Absturz fortgesetzt
Im November setzte sich die deutliche Abwärtsbewegung des Chartermarktes ungebremst fort. Erst in den ersten Dezemberwochen scheint sich eine gewisse Bodenbildung einzustellen. Der Howe Robinson Index verlor im Verlauf des November knapp 170 Punkte oder 23 % und stand zum Monatsende bei rund 560 Punkten und damit nur noch gut 100 Punkte unter dem Tiefststand vom Winter 2001/2002. Auch die Daten von Clarkson zeigen diesen negativen Trend. Beide Brokerhäuser geben für alle Typen deutliche Verluste an. Für die folgenden Ausführungen sei vorausgeschickt, dass die Angaben von Clarkson für Oktober nach dem letzten Bericht zum Teil nochmals nach unten korrigiert wurden, so dass die Angaben zu Veränderungen nicht auf die Werte aus dem Bericht zum letzten Monat bezogen werden dürfen.
Schiffe oberhalb von 3.000 TEU
Für den Typ mit 4.300 TEU gibt Howe Robinson den Verlust mit -25 % an, so dass das Niveau Ende November bei US$ 16.500 pro Tag lag - US 5.500 weniger als einen Monat zuvor. In der Größenklasse 3.500 TEU meldete Howe Robinson im November einen Rückgang des Ratenniveaus um 29 % oder US$ 4.500 auf US$ 11.000 pro Tag.
Clarkson gibt für diese Segmente im November ebenfalls deutlich reduzierte Raten an. Der Typ mit 4.400 TEU weist danach im Monatsdurchschnitt US$ 18.500 aus, was einem Rückgang gegenüber dem Oktober um US$ 1.500 pro Tag oder 7,5 % entspricht. Für den Typ mit 3.500 TEU werden US$ 15.500 pro Tag angegeben (-11,4 % oder -US$ 2.000). Aufgrund der Betrachtung von Monatsmittelwerten sind die Angaben von Clarkson in stark fallenden Märkten immer etwas höher als die Angaben von Howe Robinson, die sich auf Monatsendwerte beziehen.
Schiffe von 2.000 bis 3.000 TEU
Das Bild im Segment der Vollcontainerschiffe mit nominalen Stellplatzkapazitäten von 2.000 bis 3.000 TEU (ca. 1.500 - 2.300 TEU bei homogener Beladung mit 14 t/TEU) war im vergangenen Monat ebenfalls negativ.
Nach Howe Robinson gingen die Raten für Containerschiffe der Größe 2.050 TEU um rund US$ 2.150 pro Tag oder 23 % auf US$ 7.325 pro Tag zurück. Die Chartern für die Größe 2.800 TEU sanken um etwa 18,8 % oder US$ 2.250 auf US$ 9.750 pro Tag. Diejenigen für die Größenklasse 2.500 TEU (mit eigenem Ladegeschirr) verloren -22,9 % oder rund US$ 2.750 gegenüber Ende Oktober und lagen Ende November bei US$ 9.250 pro Tag.
Clarkson meldet für seine beiden Indikatoren in dieser Größenklasse für den November ebenfalls Einbrüche. Während der Typ "2.750 TEU ohne Geschirr" gegenüber dem Vormonat US$ 2.000 oder 16 % verlor und auf US$ 10.500 pro Tag sank, konnte das Segment "2.500 TEU mit Geschirr" im Durchschnitt US$ 10.000 pro Tag erzielen und gab damit 9,1 % oder US$ 1.000 im Vergleich zum Oktober ab.
Schiffe um die 1.700 TEU
Für Vollcontainerschiffe in der Größenklasse 1.000 - 2.000 TEU (entsprechend rd. 600 - 1.300 TEU bei gleichmäßiger Beladung mit Containern von 14 t Gewicht) ist bei Howe Robinson in diesem Monat ebenfalls eine deutlich negative Entwicklung zu verzeichnen. Mit Verlusten von US$ 1.750 bzw. 2.000 oder -22,6 % bzw. -23,5 % entwickelten sich die Typen "1.600 TEU ohne Geschirr" und "1.700 TEU mit Geschirr" schwach. Sie standen Ende November bei US$ 6.000 und US$ 6.500 pro Tag. Die Raten für das Segment mit 1.100 TEU (mit Geschirr) fielen sogar um über 25 % oder US$ -1.900 auf US$ 5.600 pro Tag.
Nach Clarkson musste die Klasse 1.700 TEU mit Geschirr einen Verlust von US$ 1.000 oder 12,5 % auf 7.000 US$/Tag hinnehmen. Stärker fielen die Raten für die Klasse mit 2.000 TEU, nämlich um 21 % auf US$ 7.500 pro Tag. Der Typ mit 1.000 TEU verlor ebenfalls 14,3 % und sank auf US$ 6.000 pro Tag.
Schiffe bis 1000 TEU
In der gleichen prozentualen Größenordnung bewegten sich Ratenrückgänge nach Howe Robinson im Durchschnitt für die kleinen Segmente des Chartermarktes. Die Chartern für die Typen mit 510 TEU (ohne Geschirr) fielen um US$ 1.500 oder 25 % auf US$ 4.500 pro Tag. Die Raten des Typs 650 TEU (mit Geschirr) sanken um 18 % (-US$ 1.250). Die Raten des Typs 520 TEU mit Geschirr verloren "nur" um 10 % bzw. US$ 750 auf US$ 6.750 pro Tag.
In der untersten Größenklasse vermeldet Clarkson für den November mit rund US$ 4.800 pro Tag für ein Schiff mit 350 TEU nur einen Rückgang um knapp 6 %. Das Typ-Schiff mit 725 TEU weist mit -13,6 % ein stärker rückläufiges Ratenniveau aus und stand bei US$ 5.600 pro Tag.
Kontakt: Dr. Burkhard Lemper ( lemper@isl.org )
